Josef Kratochvíl
Ich liebe Mythologie, das Mittelalter, Geschichte und Fantasy. Deshalb zeichne und schreibe ich darüber – und erwecke all diese Ideen und Dinge, die mich begeistern, zum Leben.
Im Laufe des Jahres 2019 begann ich mit den ersten Skizzen für mein Herzensprojekt – ein Spielkartendeck zum Thema Mittelalter. Zu Weihnachten desselben Jahres hielt ich bereits die ersten schwarz-weißen Testandrucke in den Händen, und im März 2020 veröffentlichte ich schließlich mein allererstes Projekt: „Prshak“.
Von den Wikingern zu den mittelalterlichen Ovalkarten
Der unerwartete Erfolg des Kartendecks im Leinenbeutel gab mir sprichwörtlich Rückenwind. Noch im selben Jahr setzte ich ein weiteres Thema um – die nordische Mythologie mit dem Projekt „Hedarot: Viking Poker“. Dieses Deck zog sogar die Aufmerksamkeit eines größeren Verlags auf sich. Dadurch gewann ich wertvolle Zeit, um an weiteren Karten zu zeichnen, die ich selbst so schmerzlich auf dem Markt vermisste.
So entstand „Karban“ – ein Spielkartendeck zum Thema Mittelalter in einer außergewöhnlichen, ovalen Form. Es bietet das authentische Gefühl, ein Stück Geschichte in den Händen zu halten – ganz ähnlich den Karten, mit denen die Menschen im späten Mittelalter tatsächlich spielten.
Die slawischen Kreaturen und die Suche nach den Wurzeln
Danach folgten die „Slawischen Ungeheuer“ (Slovanské potvory). Erste Berührungspunkte mit diesem Thema hatte ich bereits um das Jahr 2017. Damals schreckten mich jedoch die historischen Quellen ab, die oft von moderner Propaganda und Mythenbildung verzerrt waren. Ich legte das Thema also vorerst beiseite, machte einen inspirierenden Abstecher zur germanischen Mythologie und kehrte erst nach einigen Jahren zu den Slawen zurück.
Dieses Projekt verstehe ich als eine persönliche Spurensuche nach meinen eigenen Wurzeln – den Wurzeln eines Menschen, der in Böhmen, im Herzen Mitteleuropas lebt, wo sich seit jeher keltische, germanische und slawische Einflüsse vermischten. Die ersten Skizzen und begleitenden Hefte erschienen im Laufe des Jahres 2023. Völlig unerwartet mündete diese Arbeit schließlich in der Veröffentlichung meines ersten Buches, dem „Band I“ (Svazek I), welcher den Inhalt der ersten fünf Hefte in einer geschlossenen, edlen Form zusammenfasst.
Das Bestiarium: Wenn die Realität zur Fabelwelt wird.
Mein jüngstes Werk ist das „Bestiarium“ aus dem Jahr 2024, welches sich intensiv mit mittelalterlichen Handschriften – den sogenannten Bestiarien – auseinandersetzt. Schon als Kind war ich fasziniert von Basilisken, Teufeln, Drachen und Waldfrauen. Die Reise durch diese alten Manuskripte belohnte mich mit Antworten auf viele Fragen zur Symbolik dieser Wesen.
Das Faszinierende an den historischen Bestiarien ist: Neben Fabelwesen behandeln sie auch völlig reale Tiere. Doch die damaligen Beschreibungen und Illustrationen waren oft so fantastisch verzerrt, dass die Tiere selbst wie magische Kreaturen wirken. Und wer weiß – vielleicht kamen die Menschen des Mittelalters dem eigentlichen Wesen dieser Tiere dadurch auf ihre ganz eigene Art sogar viel näher.